AUFGETAUT – David Safier

Eine stämmige Neandertalerin und ein flauschiges Mini-Mammut – in einem Schneesturm eingefroren vor 30.000 Jahren und wieder aufgetaut in unserer modernen Welt, auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Glück. Nachdem mich Safiers „Jesus liebt mich“ humortechnisch nicht wirklich überzeugen konnte, dachte ich mir, WAS kann denn mit diesen Figuren und dieser Story schon groß schiefgehen? Naja… Einiges!

 

Originaltitel: –

Verlag: Rowohlt Verlag (1. Auflage, 2020)

Erscheinungsjahr: 2020

Seitenzahl: 331

Reihe: –

 

 

 

Inhalt

Um etwas mehr Zeit mit seiner halbwüchsigen Tochter Maya zu verbringen, geht der geschiedene und karrieretechnisch ziemlich gebeutelte Felix an Bord eines Kreuzfahrtschiffes. Während der Fahrt durch die arktische Eislandschaft gabeln sie einen Eisblock mit ungewöhnlichem Inhalt auf: Darin eingefroren befindet sich eine offensichtlich weinende Steinzeitfrau, im Arm ein kleines Mammut.

Felix macht es sich zur Aufgabe, die aufgetaute Neandertalerin zu ihrem Glück zu verhelfen – nicht zuletzt um Material für seine neueste Geschäftsidee, eine „Glücks-App“, sammeln zu können. Aber natürlich sind die beiden Gefährten aus der Steinzeit auch für die Wissenschaft nicht uninteressant…

Meine Gedanken

„Aufgetaut“ fängt vielversprechend an, mit einigen lustigen Szenen und Lachern zu Beginn, als die Hintergründe der Hauptprotagonisten Felix und Maya sowie Urga und Mammut Trö erzählt werden. Leider befinden wir uns ziemlich schnell auf dem Boden der Realität und ab dem Zeitpunkt, als die beiden Steinzeitfiguren in der Gegenwart auftauen, ist es weitestgehend vorbei mit dem Witz.

Ab diesem Schlüsselereignis wurde ich das Gefühl nicht los, dass in dieser Geschichte einfach nichts zusammenpasst. Man verspricht sich eine lustige, lockere Geschichte und bekommt… Tja, was? Ich fand die kleinen lebensphilosophischen Gedankenausflüge als Recherchen für die Glücks-App, die den roten Faden der Story bildet, noch ganz in Ordnung, wenn auch schon nicht mehr hundertprozentig stimmig. Davon abgesehen bekommt man eine Reihe tragischer Einzelschicksale präsentiert. Man begegnet keinem einzigen Charakter, der auch nur halbwegs zufrieden oder positiv gestimmt ist – als da wären: ein geschiedener Verlierer, ein verbitterter Alter, eine gesundheitlich angeschlagene Karrierefrau, ein unterdrückter Soldat, eine Neandertalerin mit Selbstmordgedanken, eine weltverbessernde Greta Thunberg 2 und zu allem Überfluss ein depressives Mammut… Hier werden Menschen benutzt, es wird in Selbstmitleid geschwelgt, es herrschen Neid und Missgunst, Krankheit, Einsamkeit, Egoismus, Zurückweisung, Betrug und Intrigen – und das alles unter dem Deckmantel des Humors. Mich hat das Ganze eher runtergezogen und die humorvollen haben die (doch sehr zahlreichen) tragischen Elemente meiner Meinung nach noch ins Lächerliche gezogen.

Zusammenfassend muss ich leider sagen, dass Safier auch die zweite Chance mich zu unterhalten verspielt hat, und sein Humor auch mit seinem neuesten Werk den meinigen einfach nicht getroffen hat. Was Safier mit seiner in dieser Form erzählten Geschichte bezwecken wollte, bleibt für mich ein Rätsel…

Fazit

Eine witzige Grundidee ist zu einer undurchschaubaren Geschichte ohne erkennbare Intention geworden, welche die Welt nicht zwingend gebraucht hätte. Schade!

 

 

Eine Frage an das Buch: Was sind die Aufgaben des Glücksministers in Bhutan?

Um Urga zu ihrem Glück zu verhelfen, reist Felix unter anderem mit ihr nach Bhutan und organisiert ein Treffen mit dem dortigen Glücksminister.

Dieses Amt existiert tatsächlich, es wurde lange Jahre bekleidet von Dr. Ha Vinh Tho. Der gebürtige Vietnamese leitete das „Gross National Happiness Center“ in Bhutans Hauptstadt Thimphu. Diese Einrichtung liefert dem König den sogenannten „GNH-Index“, einen Index für das „Bruttonationalglück“, der ihm dabei hilft, die Entwicklungen des Landes zum Wohl der Bevölkerung zu steuern. Bhutan gilt demnach als das einzige Land der Welt, welches die Zufriedenheit seiner Bürger/innen nicht am Bruttoinlandsprodukt misst.

Hauptaufgabe des Glücksminister ist es, die Menschen im Glück zu unterrichten – Glück als eine Fähigkeit, die man erlernen kann, und zwar unabhängig vom sozialen Status. Es geht dabei um die Stärkung innerer Eigenschaften wie Selbstreflexion und Achtsamkeit sowie diverser Sozialkompetenzen. Nachhaltigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur sind ebenfalls wichtige Elemente.

Heute setzt sich Dr. Ha Vinh Tho dafür ein, die Idee des GNH in Firmen, Schulen und Organisationen zu verbreiten, unterstützt Hilfsprojekte weltweit und lebt mit seiner Ehefrau in der Schweiz.

Wenn euch die Thematik „Glück“ im persönlichen wie im gesellschaftlichen Sinne interessiert, kommt ihr hier zu seiner aktuellsten Veröffentlichung, „Der Glücksstandard“.

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