THE ONE | FINDE DEIN PERFEKTES MATCH – John Marrs

Wer über „The One“ erzählen möchte, der wird der ersten Problematik bereits darin begegnen, es einem bestimmten Genre zuordnen zu wollen. Die Geschichte hat typische Thriller-Elemente, aber das Setting entspricht nicht unserer Realität. Eingefleischte Science-fiction-Fans werden sich aber auch schwer tun, „The One“ uneingeschränkt dort einzuordnen.

Zu diesen fanatischen Fans kann man mich tatsächlich nicht zählen, daher bin ich in Verbindung mit meiner Recherche zum Buch zum ersten Mal über den Begriff der „Cautionary Tale“ (zu deutsch etwa „warnende Geschichte“) gestoßen. Dabei handelt es sich unter anderem um ein klassisches Motiv aus dem Genre der Science-fiction, bei dem es genügt, die reale Welt um eine einzige neue, (noch) nicht reale Sache zu erweitern – in diesem Fall aus dem Bereich der Technologie – und zu betrachten, welche unheilvollen Folgen diese haben kann.

Auch John Marrs‘ Folgewerk „The Passengers“ schlägt in die gleiche Kerbe – und der Mann scheint wahrlich ein Händchen dafür zu haben…

🙂

Originaltitel: „The One“

Verlag: Heyne Verlag (2. Auflage, 2019)

Erscheinungsjahr: 2016

Seitenzahl: 490

Reihe: –

Inhalt

Eine neuartige App namens „Match your DNA“ hat schon längst die Partnersuche modernisiert und revolutioniert: Statt sinnlos Zeit mit Dates zu vergeuden, die in den meisten Fällen ohnehin zu keiner ernsthaften Beziehung führen, ist die Lösung in der Wissenschaft zu suchen: DNA-Analysen und deren Abgleich versprechen, den (einzig) richtigen Partner für’s Leben zu finden. Mit einer knapp 100%igen Trefferquote angeblich eine todsicherere Methode – für den ein oder anderen sogar im wörtlichen Sinne…

Meine Gedanken

In der Regel bin ich kein „Cover-Opfer“ – ehrlich! Mir erscheint das immer etwas oberflächlich, daher zählen für mich im Normalfall rein die „inneren Werte“ eines Buches. Aber kurz erwähnen muss ich das Cover-Layout von „The One“ an dieser Stelle nun doch, weil es wirklich ein optischer Gaumenschmaus ist. Es ist im Original reinweiß, die Buchstaben sind nur durch Erhebungen zu erkennen (in der Abbildung oben wurden diese zur besseren Erkennbarkeit am Bildschirm schwarz umrandet). Erster Blickfang: der pinkfarbene Fingerabdruck in der Mitte des Covers als Anspielung auf die Identifizierbarkeit jedes einzelnen Menschen. Blickfang Nummer 2: ein dazu passender pinkfarbener Buchschnitt. Wenn ihr das Buch nicht lesen wollt, ihr könnt es auch einfach nur zur Deko in euer Bücherregal stellen und es erfüllt garantiert seinen Zweck. 😉

Aber nun dazu, was sich im Inneren dieser Schönheit verbirgt: Das Buch ist aus fünf verschiedenen Geschichten aufgebaut. Wir lesen praktisch fünf Erfahrungsberichte von Menschen, die über „Match your DNA“ ihren perfekten Partner zugeteilt bekommen haben. Die Kapitel dieser fünf Geschichten wechseln sich in einer Abfolge von jeweils einigen wenigen Seiten immer wieder ab.

Schon allein dieser schnelle Perspektivwechsel sorgt für Kritik innerhalb der Leserschaft: es fehle dadurch die Möglichkeit, sich ganz in die Geschichte hineinfallen zu lassen und eine Bindung zu den Protagonisten aufzubauen. Ich persönlich kann mich dieser Meinung absolut nicht anschließen. Ich fand die Abwechslung toll und wirklich beeindruckt hat mich, dass es John Marrs geschafft hat, jedes einzelne dieser kurzen Kapitel mit einem spannungsgeladenen Cliffhanger abzuschließen.

Eine Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln heraus parallel zu erzählen ist generell sehr mutig. Der Autor muss in diesem Fall sein Talent unter Beweis stellen, alle Erzählstränge gleich spannend zu gestalten, damit der Leser nicht bei zweien oder dreien das Interesse verliert und ständig darauf wartet, bis er endlich mehr über die Geschehnisse rund um seine Lieblingsfigur erfährt. Das passiert in „The One“ sicher nicht. Egal ob Serienmörder Christopher, Karrierefrau Ellie, Scheidungsopfer Mandy, die perspektivlose Studienabsolventin Jade oder der frisch verlobte Nick – sie alle erzählen uns eine Geschichte, deren Plottwists wir entgegenfiebern und deren Ausgang wir unbedingt erfahren möchten.

Die Idee rund um die App „Match your DNA“ ist innovativ, glaubwürdig (wenn auch nicht allzu wissenschaftlich fundiert) und erschreckend realistisch erzählt, wenn man bedenkt, was der Mensch heute bereits kontrollieren will und kann. Wir bekommen einen Einblick, wie Leute wie du und ich mit solchen Neuerungen umgehen, welche Einstellung sie dazu haben und in welcher Art und Weise eine solche Revolution Fluch und Segen zugleich sein kann.

Es ist tatsächlich nichts weiter als Jammern auf hohem Niveau, aber meinen einzigen Kritikpunkt möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten: Obwohl sich gegen Ende eine Gegebenheit abzeichnet, welche im Grunde alle fünf Geschichte ein wenig miteinander verbindet, bleiben die fünf Erzählstränge dennoch stark separiert. Ich hätte mir gewünscht, dass sie zumindest im Finale noch etwas mehr ineinander greifen und zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt werden.

Fazit

Ein echter Pageturner, der den Leser gleich fünffach in einen spannenden Sog zieht – rund um ein innovatives Thema, das im Thriller-Bereich noch nicht völlig ausgelutscht ist.

Eine Frage an das Buch: Wer sind Christophers Lieblings-Serienmörder?

Wie viele Menschen mit einer Mission orientiert sich auch Serienmörder Christopher in „The One“ an Vorbildern mit einem ähnlichen Hintergrund. Ich war sehr neugierig, um wen es sich bei den im Buch genannten Figuren handelt und durch welche Vergehen sie in die Geschichte eingegangen sind:

  1. Harold Shipman: Der auch als „Dr. Death“ bekannte Hausarzt gilt mit mehr als 200 Morden als einer der schlimmsten Serienmörder Großbritanniens. Zwischen 1970 und 1998 soll er alle zehn Tage mittels Verabreichung einer Überdosis Schmerzmittel einen Mord unter seinen Patienten verübt haben. Sehr praktisch: die Sterbeurkunden konnte er gleich selbst ausstellen.
  2. Fred & Rosemary West: Hier scheinen sich die Richtigen gefunden zu haben: Nach außen ein freundliches, eher unscheinbares Ehepaar, hinter den vier Wänden Betreiber eines hauseigenen Porno-Studios, in dem vergewaltigt, gefoltert und gemordet wird. Beliebtes Ziel: junge Frauen, die unter dem Vorwand, sie als Kindermädchen einstellen zu wollen, ins „Horrorhaus“ gelockt wurden – doch auch die gemeinsamen Kinder waren nicht vor ihnen sicher.
  3. Der Yorkshire Ripper: „Jack the Ripper“ ist wirklich jedem ein Begriff. Das war auch Peter Sutcliffe bewusst und hatte es als dessen Trittbrettfahrer ebenfalls vorwiegend auf Prostituierte abgesehen, was ihm letztendlich zu seinem Spitznamen verhalf. Im November vergangenen Jahres sorgt er ein letztes Mal für Schlagzeilen: Er stirbt im Gefängnis nach einer Infektion mit dem Corona-Virus.
  4. Dennis Nilsen: Sein erstes von mindestens 15 Opfern würgt Dennis Nilsen mit einer Krawatte und ertränkt es in einem Eimer Wasser. Zunächst versteckt er alle Leichen in seiner Wohnung, bis er des Gestanks und der Maden nicht mehr Herr wird und sich kreative Entsorgungsmöglichkeiten einfallen lassen muss. Gefasst werden konnte Dennis Nilsen schließlich nur, weil Körperteile seine Abflussrohre verstopften.

VERFILMUNG

Netflix hat für 2021 bereits die erste Staffel einer auf „The One“ basierenden Science-fiction-Serie angekündigt. Der Starttermin steht jedoch noch nicht fest.

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