Meine Top 5 FLOPS aus 2020

Es wird höchste Zeit, 2020 Revue passieren zu lassen – welche Geschichten konnten begeistern, bei welchen wäre noch Luft nach oben gewesen? Mein Lesejahr würde ich als durchschnittlich bezeichnen, echte Flops waren kaum dabei, dafür aber auch nur eine überschaubare Anzahl echter Highlights. 

Abgebrochen habe ich nur ein einziges Buch, und zwar „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin. Grundsätzlich bin ich klassischer deutscher Literatur nicht abgeneigt, habe aus Schule und Studium noch einige Werke im Regal stehen und jedes wird nach und nach seine Chance bekommen. Ganze vierzig Seiten Chance hat Franz Biberkopf, der Protagonist aus „Berlin Alexanderplatz“, erhalten, aber die Ereignisse in seinem Leben erschienen mir dermaßen wirr und ebenso (absichtlich) wirr erzählt, sodass ich nicht dahinter gekommen bin, was mir dieses Buch eigentlich mitteilen möchte. Nachdem ich bei etwa einem Zehntel bereits abgebrochen habe und mich nicht viel zur Entwicklung der Geschichte äußern kann, möchte ich mir nicht anmaßen, es in die Flop-Liste mit aufzunehmen.

Aber lest selbst – hier sind Platz 5 bis 1 meiner Flops 2020 für euch! 🙂

Platz 5 – „Biss zum ersten Sonnenstrahl“

Im Spin-off von Stephenie Meyers „Biss-Reihe“ wird die Geschichte von Bree erzählt, einer der neugeborenen Vampire, die in „Biss zum Abendrot“ von Antagonistin Victoria für den Feldzug gegen die Cullens erschaffen werden.

Die Story an sich ist nicht extrem spannend, aber wer die Twilight-Reihe bereits gelesen hat, findet es vielleicht ganz interessant, auch etwas über die „böse Seite“ zu erfahren, einige weitere Einblicke in die Beweggründe der Volturi zu bekommen und im „Déjà-vu-Feeling“ zu schwelgen.

Obwohl mir die Hauptreihe von Twilight recht gut gefallen hat, habe ich diesen Zusatzband als relativ überflüssig empfunden und unterstelle einfach mal vorsichtig, dass dieser ausschließlich aus dem Grund entstanden ist, um den Hype um Bella, Edward und Co. mit möglichst wenig Aufwand nochmal bestmöglich auszuschlachten. Und wie auch das vergangene Jahr ein weiteres Mal bestätigt hat, liebt es Stephenie Meyer einfach, ausgelutschte Geschichten wieder aufzuwärmen…

Platz 4 – „Die drei musketiere“

Was weiß man über die drei Musketiere als Normalsterbliche/r ohne das Buch gelesen zu haben oder sich nennenswert an eine Verfilmung erinnern zu können? Mal sehen… Es geht um die drei Musketiere Athos, Porthos und Aramis und dann kommt da von irgendwoher noch ein Anhängsel namens D’Artagnan dazu. Gemeinsam strecken sie ihre Säbel in die Luft und brüllen „Einer für alle, alle für einen!“. Es muss sich also um richtige Helden handeln, die furchtlos und unerschrocken in eine Schlacht nach der anderen ziehen und sich gegenseitig mit ihrem Leben verteidigen… Pustekuchen!

Alexandre Dumas hat stattdessen vier richtige Witzfiguren erschaffen, die sich versoffen, verlogen und notgeil mit pseudo-höflichem Gefasel durchs Leben mogeln, ständig pleite sind und die meiste Zeit nicht recht etwas mit sich anzufangen wissen. Und einer von den vieren kann schon mal zwei Wochen verschwunden sein, bis sich die anderen zu einer Suche bequemen – von wegen „Einer für alle, alle für einen!“.

PLATZ 3 – „Fräulein smillas gespür für schnee“

Ein echter Klassiker aus den 90ern durfte im vergangenen Jahr auf meiner Leseliste nicht fehlen: Peter Hoeg mit seiner Fräulein Smilla, die sich im winterlichen Kopenhagen auf eigene Faust in Ermittlungen rund um den Tod ihres kleinen Schützlings Jesaja stürzt. Aufgrund ihrer Abstammung von den Inuit Grönlands hat sie ein ganz besonderes Verhältnis zu Schnee und Eis, das ihr bei der Suche nach der Lösung behilflich sein soll…

Ich hätte diese Geschichte wirklich gerne gemocht, aber der sperrige Handlungsverlauf und die unnahbaren Charaktere haben es einem wirklich nicht leicht gemacht. Dazu kam, dass in der zweiten Hälfte ein Großteil der Story auf einem Schiff spielt und der Text so gespickt ist mit nautischen Fachbegriffen, dass man sich dann letztendlich noch nicht mal mehr in das Setting hineindenken konnte.

Das enttäuschende Fazit: Eher kalt und deprimierend, statt mystisch und geheimnisvoll.

Platz 2 – „V is for Virgin“

Ja, ich gebe es zu: Ich habe zu „V is for Virgin“ gegriffen, weil ich bereits einige negative Stimmen und Hate-Videos dazu gesehen hatte und unglaublich neugierig war. Als Testobjekt für meinen Bookbeat-Probemonat schien es mir daher genau die richtige Wahl zu sein, damit ich mich hinterher nicht über unnötige Ausgaben beschweren muss.

Die 17-jährige Valerie wird von ihrem Freund verlassen, weil sie sich für die Ehe aufsparen möchte. Durch ein Video, das viral geht, bekommt Valeries Jungfräulichkeit öffentliches Interesse und sie gründet unter dem Spitznamen „Virgin Val“ einen entsprechenden Club. Rockmusiker Kyle macht es sich in der Zwischenzeit zur Aufgabe, sie zu verführen…

Falls Kelly Orams ursprüngliche Intention gewesen sein sollte, die Fremdbestimmung der Frau über ihren Körper hervorzuheben, dann ist das zwar ein löbliches Vorhaben, an der Umsetzung ist sie allerdings kläglich gescheitert. In „V is for Virgin“ wird Jungfräulichkeit plump und völlig überzogen an die große Glocke gehängt und als das „Non-plus-ultra“ dargestellt. Gedisst dürfen sich jetzt diejenigen fühlen, die andere Prinzipien haben, oder wie darf man das verstehen? Man kann nur hoffen, dass Teenager, die dieses Buch in die Finger bekommen, diese Message nicht allzu ernst nehmen. Geht einfach gar nicht!

PLATZ 1 – „Aufgetaut“

Eine stämmige Neandertalerin und ein flauschiges Mini-Mammut – in einem Schneesturm eingefroren vor 30.000 Jahren und wieder aufgetaut in unserer modernen Welt, auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Glück. Erwartet habe ich hier eine leichte, humorvolle Geschichte mit etwas (allerdings nicht zu viel) Tiefgang, Charaktere „zum Knuddeln“ und Situationskomik, die einen hin und wieder zum Schmunzeln bringt.

Bekommen habe ich: Eine Geschichte, in der einfach nichts zusammenpasst, sowie eine Reihe tragischer Einzelschicksale. Man begegnet keiner einigen Figur, die auch nur halbwegs zufrieden oder positiv gestimmt ist. Menschen werden benutzt, es herrschen Neid, Missgunst, Krankheit, Einsamkeit, Egoismus, Zurückweisung, Betrug und Intrigen – und das alles unter dem Deckmantel des Humors, der diese tragischen Elemente auch noch ins Lächerliche zu ziehen scheint.

Das neueste Werk von David Safier hat in meinen Augen absolut nicht funktioniert und es daher mit Abstand auf Platz 1 meiner Flops 2020 geschafft.

Zur vollständigen Rezension von „Aufgetaut“ kommt ihr hier.

* * *

Welche Bücher gehören zu euren Flops 2020? Oder vielleicht habt ihr ja von Geschichten zu berichten, die nicht wirklich schlecht waren, die euch aber trotzdem enttäuscht haben… Habt ihr einen Autor/eine Autorin letztes Jahr endgültig von eurer Liste gestrichen, weil ihr einfach nicht mit ihm/ihr warm werdet?

 

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